Vorbereitung auf die wichtigste Ereignisse (Lampenfieber)

Kennst Du das: Da ist nichts, absolut nichts – wo sich vorher noch eine Fülle von Gelerntem abrufbar in Bereitschaft hielt, um bei Bedarf erfolgreich erinnert zu werden, da ist auf einmal ein Loch, Blackout. Wer das schon irgendwann mal erlebt hat, vergisst ihn nicht so schnell wieder.

Nun könnte man zu dem Schluss kommen, dass ausreichende und perfekte (Prüfungs)-Vorbereitung die wirksamste Waffe gegen derartig katastrophale Erfahrung wäre. Wie viele Schüler und Studenten haben es nicht immer wieder gehört: „Beim nächsten Mal bitte mehr lernen, dann klappt es auch mit der besseren Zensur.“ Oder aber: „Du kannst es doch, du hast doch so viel gelernt.“ Oder: „Du hast geübt und geübt, Du kennst jede Bewegung, Du schafft es.“

Lampenfieber“ wird bei Künstlern als notwendiges Übel toleriert, solange der gefürchtete Blackout mit versagender Stimme oder vergessenem Text ausbleibt.

Diese Unruhe, diese Aufregung und Nervosität fühlen sich sehr unangenehm an und extrem belastend. Sie  schränken das Denkvermögen und die Konzentration erheblich ein. Das ist aber genau das, was Du in der Prüfungssituation oder beim Auftreten auf der Bühne, bei einer Präsentation, vor einer großen Menge von Zuschauer und Zuhörer, überhaupt nicht brauchst, denn eigentlich besteht der Wunsch höchste Leistung souverän  abzurufen und sie zu präsentieren. Die Folge ist das beschämendes Gefühl, unter Deinen Möglichkeiten zu bleiben und zu versagen.

Die meisten Menschen schätzen solche Situationen als bedrohlich ein, in denen sie Gefahr laufen, zu versagen, nicht gut genug zu sein, „man müsse um jeden Preis bestehen“, abgelehnt zu werden. Peinlichkeit und Scham werden darüber empfunden. Dabei spielt auch eigene Erfahrung mit, ob Du schon einmal etwas Ähnliches erlebt hast.

Das, was Du Dir im Moment der Prüfung oder des Auftretens wünschst, ist etwas vollkommen anders: fokussierte Aufmerksamkeit, Konzentration, uneingeschränkte kognitive Leistung, authentische Präsenz und ein angenehmes Körpergefühl. Doch wenn das Stressniveau im Körper zu hoch ist, wird genau das verhindert: Wieder einmal unkonzentriert gewesen, zu wenig gewusst zu haben, wieder einmal den Text vergessen zu haben, die Stimme versagte, angespannt und die Bühnenpräsenz war zu wenig authentisch.

So setzt sich ein Kreislauf fort. Dieses Stressgefühl wird im Körper gespeichert und kann bei einer ähnlichen Gelegenheit wieder abgerufen. Das Ergebnis ist, dass der Stress sich schon lange vor (!) dem zukünftigen Ereignis einstellt und auf diese Weise dazu beiträgt, dass sich die Erfahrungen von Versagen immer wiederholt oder als „selbst  prophezeit“ erscheinen werden.